
Schülerzahlen bleiben fast stabil
Bundesweit sinken angesichts der zurückgehenden...
... und fragen Sie ihn nach seinen Ideen für eine bessere Unterrichtsversorgung. Unseren...
Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 31.03.2010
Landeselternrat kritisiert „erschreckende Bilanz“ und mahnt Wulffs ausstehenden Bildungspakt an
VON SASKIA DÖHNER
Hannover. Nach einer Erhebung des Landeselternrats fallen an den Gymnasien im Schnitt zehn Prozent des Unterrichts aus. An Realschulen sind es 9,3 und an Hauptschulen sechs Prozent. Elternvertreter hatten im vergangenen November zwei Wochen lang in rund 840 Klassen mit insgesamt 27000 Schülern im früheren Regierungsbezirk Lüneburg ermittelt, wie viele Stunden nicht erteilt werden konnten, weil Lehrer im Mutterschutz, krank, auf Fortbildung oder Klassenfahrt waren. Zehn Landkreise hatten sich an der Umfrage beteiligt, die seit 2006 regelmäßig zweimal im Jahr erhoben wird. Nach der jüngsten Untersuchung war das Fehl in den Gymnasien mit 6,1 Stunden am größten, gefolgt von den Realschulen mit 4,4 und den Hauptschulen mit 3,5 Stunden.
Landeselternratsvorsitzender Pascal Zimmer sprach gestern in Hannover von einer „erschreckenden Bilanz“. Manche Gymnasien könnten selbst die eigentlich vorgesehenen Pflichtstunden nicht erteilen. „Im Laufe eines Schülerlebens hat ein Kind in Niedersachsen statistisch gesehen ein Jahr weniger Unterricht als ein Kind in Bayern“, sagte Fritz Hullen, Elternvertreter aus Ashausen im Kreis Harburg. Zwar sei der Protest größer, wenn vermeintlich wichtige Fächer wie Mathematik oder Englisch ausfielen, aber auch Fehlstunden in Musik oder Kunst seien ärgerlich. „Die Eltern müssen mit Nachhilfe Versäumnisse der Schulen ausgleichen und dafür auch noch teuer bezahlen.“
Das Kultusministerium wies den Vorwurf der mangelnden Unterrichtsversorgung zurück. Sprecher Andreas Krischat nannte die Lüneburger Erhebung „nicht zuverlässig“. Die Daten seien nur punktuell ermittelt worden. So werde sogenannter Epochalunterricht, wenn also ein Fach für einen bestimmten Zeitraum im Mittelpunkt steht, beispielsweise nicht erfasst. „Die rechnerische Unterrichtsversorgung im Land ist übers Schuljahr gesehen gesichert.“
Zimmer und Hullen widersprachen: Die Zahlen seien sehr wohl repräsentativ. Eine Einschätzung, die auch die Elterninitiative „Landunter“ bestätigt. Landauf, landab klagten Eltern über Unterrichtsausfall, sagt Initiator Knut Gerschau und verweist auf Beispiele aus Bückeburg, Bremervörde, Osnabrück und Hannover.
Der Einzelfall sei keine Katastrophe, sagte Zimmer. „Das Problem ist der Unterrichtsausfall in der Summe.“ Das System sei ausgereizt, es gebe keine Vertretungsreserve. Je kleiner eine Schule sei, desto schwieriger sei es, Vertretungen zu organisieren. „Wenn ein Kollegium aus sieben Lehrkräften besteht, gibt es einfach keine Jongliermasse wie an Schulen mit mehr als 100 Pädagogen“, sagte Zimmer. Ministeriumssprecher Krischat entgegnete, kleine Schulen könnten Hilfe von benachbarten Schulen beanspruchen oder bei der Landesschulbehörde Feuerwehrlehrkräfte anfordern.
Elternratsvorsitzender Pascal Zimmer mahnte angesichts übervoller Klassen und irritierender Meldungen über mögliche Stellenkürzungen bei Lehrern den „Zukunftsvertrag Bildung“ an, den Ministerpräsident Christian Wulff Anfang Dezember beim Philologentag in Goslar versprochen hatte. „Passiert ist seitdem nichts. Mit uns hat jedenfalls noch keiner von der Landesregierung gesprochen, dabei vertritt unser Verband 1,8 Millionen Eltern in Niedersachsen.“
Hannoversche Allgemeine vom 22.03.2010
Arbeitskreis „Landunter“: Mangelhafte Versorgung besonders an Gymnasien / Ministerium weiß nichts von Beschwerden
VON SASKIA DÖHNER
Hannover. Eigentlich hat die Elftklässlerin an diesem Tag acht Stunden Unterricht. Ein Blick ins Internet auf die Homepage ihrer Schule am frühen Morgen verrät ihr, dass vier Stunden ausfallen, weil Lehrer erkrankt sind. Die Gymnasiastin geht für zwei Stunden in die Schule, dann wieder nach Hause, und als sie wiederkommt, um noch einmal an zwei Stunden Unterricht teilzunehmen, wird ihr mitgeteilt, dass auch diese leider ausfallen müssen. Acht Stunden Unterricht, sechs davon können nicht erteilt werden.
Pascal Zimmer hört immer wieder von Geschichten dieser Art. „Die Unterrichtsversorgung ist nicht so, wie sie sein sollte“, sagt der Vorsitzende des Landeselternrats. Nach seinen Berechnungen fällt im Bezirk Lüneburg jede zehnte Stunde aus. Dabei hatte Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) im November noch stolz verkündet, dass die Unterrichtsversorgung im Landesschnitt bei 100,2 Prozent und damit über den Erwartungen liegt. Bei den Grundschulen wird im Landesschnitt eine Versorgung von 102,6 Prozent erreicht, bei Gymnasien 99,8, bei Realschulen 99, bei Hauptschulen 98,6, bei Gesamtschulen 98,2 und bei Förderschulen 99,1 Prozent.
„Die Wirklichkeit sieht ganz anders aus, da nützt auch die Schönrechnerei nichts“, sagt auch Knut Gerschau aus Hannover. Der Vater zweier schulpflichtiger Töchter hat zusammen mit anderen Eltern die Landesarbeitsgemeinschaft Unterrichtsversorgung, kurz „Landunter“, gegründet. Vor allem Gymnasien seien betroffen, sagt er. „Hier wird das Wegfallen von Pflichtstunden bereits zu Jahresbeginn fest eingeplant.“ Mit Postkartenaktionen und Unterrichtstunden, die im Internet per Ebay versteigert werden, möchte die Elterninitiative in den nächsten Wochen auf den Missstand aufmerksam machen. Zudem werden im Internet anonymisiert Beispiele von Unterrichtsausfall gesammelt.
Nach Angaben eines Ministeriumssprechers liegen dem Kultusministerium aktuell keine Beschwerden über mangelnde Unterrichtsversorgung an einzelnen Schulen vor: „Davon ist uns nichts bekannt.“
Die statistische Unterrichtsversorgung erfasst nur, ob alle Schulen rein rechnerisch genügend Lehrer haben, um die Pflichtstunden zu erteilen. Nicht berücksichtigt sind Ausfälle durch Krankheiten oder Schwangerschaften. Wenn ein Lehrer erkrankt, müssen ihn die Kollegen vertreten und sammeln dadurch ihrerseits Überstunden an. Erst wenn ein Pädagoge länger als sechs Wochen am Stück ausfällt, können die Schulen für ihn einen eigenen Vertretungslehrer einstellen.
An den Gymnasien herrsche ein großer Leistungsdruck, sagt Doris Vehlies, die sich ebenfalls bei „Landunter“ engagiert. „Die Stofffülle ist enorm, und durch das Zentralabitur haben dann am Ende alle Schüler dieselben Aufgaben, auf individuelle Nachteile wird da keine Rücksicht genommen.“ Zudem seien die Klassen und Lerngruppen viel zu groß. „Es gibt Leistungskurse mit 30 Schülern, da ist der Lärmpegel enorm.“
Heidrun Korsch, Vorsitzende der Direktorenvereinigung und Leiterin eines Gymnasiums in Hann. Münden, weiß von Eltern zu berichten, die besorgt seien, weil in einer 5. Klasse zwei Wochen lang die Englischlehrerin erkrankt ist. „Die Angst ist aber unbegründet“, sagt sie, „das kann man wieder aufholen.“ Schwieriger sei es mit dem Fachunterricht in der Oberstufe: „Das kann man kaum kurzfristig vertreten.“
„An den Schulen ist keine Luft, um Ausfälle auszugleichen“, kritisiert der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Eberhard Brandt, „alles ist auf Kante genäht.“ Einen Pool für Vertretungsstunden gebe es nicht. Das sei wie bei einer zu kurzen Bettdecke: „Wenn man sie nach unten zieht, um die Füße zu wärmen, friert man an der Brust.“
Experten raten, fünf Prozent mehr Lehrer einzustellen als eigentlich benötigt werden, um so eine Vertretungsreserve zu haben. So wünschenswert das auch wäre, wahrscheinlich fänden sich gar nicht die erforderlichen Lehrer, gibt Korsch zu bedenken: „Wenn ein Musiklehrer ausfällt, bekommt man kaum Ersatz.“
Auch der Vorsitzende des Philologenverbandes, Horst Audritz, sprich von einem „fächerspezifischen Fehl“: „Was nützt der Deutschlehrer, wenn der Chemielehrer krank wird?“ Quereinsteiger allein, zumal wenn sie nicht ausreichend pädagogisch begleitet würden, könnten den Mangel nicht ausgleichen.
Die Elterninitiative „Landunter“ ist im Internet über www.landunter.org zu erreichen.
Schülerzahlen bleiben fast stabil
Bundesweit sinken angesichts der zurückgehenden Geburtenrate inzwischen auch die Schülerzahlen - doch in der Region Hannover fällt der Rückgang deutlich gebremster aus. Dieses Schuljahr gehen in der Region 124 158 Schüler auf staatliche oder private allgemeinbildende Schulen (Stichtag 20. August 2009). Das sind 0,52 Prozent weniger als im Schuljahr 2008/2009, als noch 124.810 Kinder und Jugendliche als Schüler gezählt wurden. Bundesweit beträgt das Minus bei der Schülerzahl gegenüber dem Vorjahr 1,3 Prozent, sowohl in den allgemeinbildenden als auch in den beruflichen Schulen. In Niedersachsen ging die Schülerzahl sogar um um 1,5 Prozent zurück.
Dieses Schuljahr besuchen 115 486 Schüler in der Region Schulen in Trägerschaft der 21 Kommunen - davon 69 080 im Umland und 46 406 in der Landeshauptstadt. Auf die regionseigenen Schulen (ohne Berufsschulen) gehen 2 840 Kinder und Jugendliche, bei freien Trägern werden 5 832 Schüler unterrichtet. Die Stadt Hannover hatte vor kurzem bereits berichtet, dass sie für die Landeshauptstadt mit stabilen Schülerzahlen rechnet. Basierend auf der Zahle der Einjährigen ist die Verwaltung optimistisch, dass Hannover sich gegen den Trend entwickelt.
bil ( mit: dpa)
„Lehrerstellen erhalten“
Hannover: Der Verband Niedersächsischer Lehrkräfte, der Pädagogen im Sekundarbereich I (Klasse 5 bis 10) vertritt, wendet sich vehemend gegen Überlegungen des Finanzministeriums, bis 2020 mehrere Tausend Lehrerstellen zu streichen. „Sinkende Schülerzahlen und Ebbe im Landeshaushalt dürfen nicht zur Einsparung von Lehrerstellen führen“, sagte der Verbandsvorsitzende Manfred Busch am Sonntag. Die Sparüberlegungen des Finanzministeriums stünden frühere Äußerungen Regierungspolitikern entgegen und würden Unruhe und Misstrauen in die Schulen tragen. dö
Niedersachsen setzt bei Bildung den Rotstift an
Kultusressort muss 50 Millionen Euro kürzen
VON KLAUS WALLBAUM
Hannover. Noch Ende Januar hatte Niedersachsens Landesregierung erwogen, bei der bevorstehenden Sparrunde das Kultus- und das Hochschulressort auszuklammern. Inzwischen aber steht fest: Auch diese beiden Ministerien müssen für den Etat des kommenden Jahres den Rotstift ansetzen. Wie diese Zeitung am Freitag erfahren hat, beträgt die Summe der Kürzungen in beiden Ministerien zusammen bis zu 150 Millionen Euro. Noch ist unklar, wo genau weniger Geld ausgegeben werden soll.
Allein das Kultusministerium, dessen 4,7-Milliarden-Etat zum überwiegenden Teil aus Gehältern der Lehrer besteht, soll im kommenden Jahr zwischen 50 und 100 Millionen Euro an den Finanzminister abliefern. Die spannende Frage wird nun sein, ob Ministerin Elisabeth Heister-Neumann frei werdende Lehrerstellen nicht wiederbesetzen will. Würden etwa 1000 Lehrer keinen Nachfolger bekommen, so könnte dies den Kultus-Etat um rund 45 Millionen Euro entlasten. Der Landesrechnungshof rät dazu schon seit Längerem – weil die Schülerzahlen zurückgehen, vor allem in den Grundschulen, können sich das Land auf Dauer nicht die höchste Lehrerzahl aller Zeiten leisten. Klar scheint auch zu sein, dass in der Finanzplanung bis 2020 rund 7000 Lehrerstellen wegfallen sollen. In den kommenden drei Jahren jedoch will die Regierung hier maßvoll vorgehen und nicht benötigte Stellen vorwiegend dazu nutzen, die Qualität des Unterrichts zu verbessern und die Klassen zu verkleinern. Deshalb wird über andere Wege nachgedacht, das Geld zu erwirtschaften – Kürzungen bei Kindergärten und bei Schul-Sozialarbeitern, verzögerte Neubesetzung von Schulleiterstellen, Einschnitte in der Verwaltung und bei der Schulinspektion, die die Schulen beraten soll. Auch könnte die geplante Führungsakademie für Lehrer vertagt werden.
Während im Kultusressort schon eifrig an Lösungen gearbeitet wird, liegen aus dem Wissenschaftsressort noch keine Vorschläge vor. Entscheiden werden soll in der Klausurtagung des Kabinetts im Juni, bei der der Haushaltsplan für 2011 aufgestellt wird.
In den anderen Ministerien wird über verschiedene Projekte debattiert, die geopfert werden oder schrumpfen könnten – der Innovationsfonds etwas, die Sportförderung, der große Fahrzeugpark im Innenministerium, die Steuer- und die Bauverwaltung oder Standorte des Landesamtes für Soziales. Der Maßregelvollzug könnte an einem Standort konzentriert werden, Zuschüsse für Frauenhäuser, Umweltgruppen, Theater und soziale Initiativen stehen auf der Kippe. Auch das vom Ministerpräsidenten befürwortete Museum für die Schöninger Speere, für das 15 Millionen Euro fließen sollen, hat Kritiker.
Die Streichliste der Ministerien dürfte aber gerade mal 345 Millionen Euro bringen, während der Bedarf an Kürzungen im kommenden Jahr um noch einem eine Milliarde Euro größer ist.
Schulen stehen vor dem Kollaps
Hannover (dö/lni). Das Schulsystem steht nach Ansicht des Schulleitungsverbandes kurz vor dem Kollaps. Weil sich die Verwaltungsaufgaben häuften, seien immer mehr Lehrkräfte überfordert und meldeten sich krank, berichtet die Vorsitzende des Schulleitungsverbandes, Helga Akkermann. Diese Pädagogen müssten dann durch andere vertreten werden, was wiederum zu Überstunden, Überlastung und Ausfällen führe: "So kann es nicht weitergehen, wir sind am Limit." Schulleiter müssten dringend entlastet werden, alle freiwerdenden Lehrerstellen müssten auch angesichts zurückgehender Schülerzahlen wiederbesetzt werden. Dies forderte auch die Vorsitzende der Elternräte an Gymnasien, Hiltrud Sürmann, bei einer Tagung in Braunschweig. Wegen der bevorstehenden Pensionierungswelle in den nächsten Jahren zeichne sich bereits heute in einigen Fächern ein Lehrermangel ab. Gymnasien müssten zudem besser ausgestattet werden, betonte Sürmann. Viele Schulen hätten kein medizinisch geschultes Personal und keine Mensa, obwohl sie de facto längst Ganztagsschulen seien. Auch seien die Klassenräume oft zu klein.
Weniger Lehrerstellen?
Hannover: Bislang hatte die Landesregierung stets beteuert, trotz zurückgehender Schülerzahlen keine Lehrerstellen streichen zu wollen, sondern damit die Klassen zu verkleinern und die Unterrichtsqualität zu verbessern. Nun deutet sich möglicherweise eine Kehrtwende an. Nach Angaben eines Sprechers von Ministerpräsident Wulff darf die Streichung von Lehrerstellen auf lange Sicht kein Tabu mehr sein: "Wir reden nicht von 2011, sondern von den nächsten zehn Jahren." Das Kultusministerium wollte dies gestern nicht kommentieren. Die SPD-Bildungsexpertin Frauke Heiligenstadt sagte, es sei ein Affront, wenn frühere Versprechen nun einkassiert würden. dö
In der Vorweihnachtszeit muss man als Erwachsener auf Schritt und Tritt damit rechnen, Wunschzettel in die Hand gedrückt zu bekommen. Gestern traf es Ministerialdirigent Jan ter Horst, der stellvertretend für die abwesende Kultusministerin eine Delegation von Engeln, Elchen und verspäteten Nikoläusen vor dem Ministerium begrüßen durfte. Die verkleideten Schüler aus den Integrierten Gesamtschulen List, Mühlenberg und Langenhagen überbrachten Hunderte buntbemalte Wunschzettel ihrer Mitschüler. „Wir brauchen mehr Lehrer, damit nicht so viel Unterricht ausfällt“, sagte Valerie Helms, stellvertretende Schülersprecherin der IGS Mühlenberg. „Kleinere Klassen“, „kostenlose Schulbücher“ und „Abitur nach 13 Schuljahren“ lauteten Wünsche, die Schüler notiert hatten. Ter Horst betonte, das Abitur nach 12 Jahren sei europäischer Standard. „Aber dann haben wir keinen gemeinsamen Unterricht mit allen Lernniveaus mehr“, sagte Fiona Graab von der IGS Langenhagen. Ter Horst entgegnete, die Schulen bekämen große Gestaltungsfreiheit.
Den deutschen Schulen droht Lehrermangel. Die Welle der Pensionierungen älterer Lehrkräfte dauert nach Zahlen des Statistischen Bundesamts an. Gleichzeitig stehen immer weniger Nachwuchskräfte für den Schuldienst zur Verfügung. Die Zahl der Einschulungen blieb bundesweit fast konstant bei insgesamt 734.350 Kindern. Im vergangenen Jahr gingen 19.500 verbeamtete Lehrkräfte in den Ruhestand. Die Zahl liegt deutlich höher als vor zehn Jahren: Damals waren nur gut halb so viele Lehrer pensioniert worden. ap
Schulleiter müssen sich in Geduld üben
Ministerin Heister-Neumann verspricht Entlastung erst nach 2011 / Akkermann: Ich bin enttäuscht.
VON SASKIA DÖHNER
Celle. Seit Jahren fordern die Schulleiter Entlastung bei der Unterrichtsverpflichtung genauso wie bei den Verwaltungsaufgaben, die seit der Einführung der Eigenverantwortlichen Schule noch einmal erheblich zugenommen haben. Ihre Geduld wird weiter auf die Probe gestellt – mindestens noch zwei weitere Jahre.
Vor dem Sommer 2011, wenn der doppelte Abiturjahrgang die Gymnasien verlassen hat, sieht Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann dafür keinen Handlungsspielraum. Dann aber werde es kleinere Klassen, weniger Unterrichtsstunden für Schulleiter und zusätzliche Verwaltungskräfte geben, versprach die CDU-Politikerin bei der Herbsttagung des Schulleitungsverbandes Niedersachsen am Dienstag in Celle. „Ich sehe mich hier im Wort“, betonte die Ministerin. Den Schulleitern reichte Heister-Neumanns Versprechen aber nicht. „Ich bin enttäuscht“, sagte Helga Akkermann, Vorsitzende des Schulleitungsverbandes (SLVN), nach der Rede der Ministerin. „Wir brauchen ein Zeichen, damit wir die nächsten Jahre überstehen, wir müssen einfach sofort etwas spüren“, sagte sie und bekam kräftigen Applaus von den rund 700 Schulleitern im Publikum. Ihre Kolleginnen und Kollegen seien am Rande ihrer Kräfte, die Zahl langfristig erkrankter Schulleiter nehme zu, rund 400 Schulleiter haben mittlerweile eine Überlastungsanzeige eingereicht. Für freie Stellen vor allen an kleinen Grundschule fänden sich nicht genügend Bewerber: „Jede dritte Stelle muss erneut ausgeschrieben werden“, sagte Akkermann. Es sei untragbar, dass Grundschulleiter 20 Stunden pro Woche unterrichten müssten. „Ein Manager arbeitet doch auch nicht zwischendurch noch an der Werkbank“, sagte der stellvertretende SLVN-Vorsitzende Hans-Heinrich Thies. Mehr als zehn Stunden in der Woche sollte kein Leiter unterrichten müssen, forderte Akkermann. Wer eine große Schule leite, sollte ganz freigestellt werden. Immer wieder berichteten Teilnehmer der Tagung, wie sie von der Bürokratie gegängelt würden. Angela Rath, Leiterin der Grundschule in Eschede mit rund 250 Schülern und 30 Lehrkräften, sagte, sie müsse plötzlich 17 statt 14 Stunden in der Woche vor der Klasse stehen, weil jetzt im Schulkindergarten ein Kind weniger sei. „Wir brauchen eine Schulbehörde, die uns vertraut“, sagte Akkermann. Die Ministerin räumte ein, dass sich „die Fälle von Detailsteuerung in jüngster Zeit gehäuft“ hätten. „Das wollen wir nicht.“
Nicht nur in Celle musste die Ministerin Kritik einstecken, der Landtag stimmt heute Abend über einen erneuten Abwahlantrag der Opposition ab. „Davor habe ich keine Angst“, sagte Heister-Neumann gestern. SPD und Linke forderten, die Schulleiter nicht zu vertrösten, sondern sie sofort zu entlasten. Karl-Ludwig von Danwitz (CDU) sagte, bei der Berechnung der Unterrichtsverpflichtung müsste auch berücksichtigt werden, ob es sich um eine Ganztagsschule handelt oder nicht.
Schulbehörde rechtfertigt Hotline
Probleme mit Sportstunden
VON BÄRBEL HILBIG
Nachdem Eltern die Hotline des Landes zum Thema Unterrichtsversorgung kritisiert haben, rechtfertigt die Landesschulbehörde die Arbeit ihrer Mitarbeiter. „Meine Kollegen schieben auf keinen Fall den schwarzen Peter an die Schulleiter weiter", sagt Behördensprecher Christian Zachlod. Mehrere Eltern hatten der HAZ gegenüber geschildert, dass die Auskünfte am Telefon in den vergangenen Jahren die Situation an den Schulen nicht verbessert hätten.
Zachlod weist darauf hin, dass das Service-Telefon (erreichbar unter 0511 -1 06 66 66) seit diesem Schuljahr regional an vier Stellen im Land mit Fachleuten der Landesschulbehörde besetzt ist. Vorher war die Beschwerdestelle im Kultusministerium angesiedelt. „Wir haben das jetzt so gemacht, weil die Experten bei uns in der Behörde sitzen", sagt der Sprecher. Die Mitarbeiter stehen für Fragen aller Art rund um das Thema Schule zur Verfügung. Tatsächlich habe der Unterrichtsausfall dieses Schuljahr bisher nur den kleineren Teil der Anfragen ausgemacht.
In diesen Fällen erkundigen sich die Mitarbeiter an der Schule nach den Gründen für Stundenkürzungen. Bei Mangelfächern ist kurzfristige Abhilfe allerdings oft nicht möglich. „Wir können uns keinen Physiklehrer aus den Rippen schneiden", sagt Zachlod. Schulleiter sollten in dieser Situation Stundenkürzungen möglichst auf mehrere Klassen und Jahrgänge verteilen und Pflichtunterricht den Vorrang vor freiwilligen Angeboten geben. Wenn neue Lehrer erst zum 1. November ihren Dienst antreten, könnten Schulen das mit befristeter Mehrarbeit oder Honorarkräften überbrücken. „Wir versuchen, dabei zu helfen", sagt der
Behördensprecher.
Unterdessen haben Eltern verschiedener Schulen gegenüber der HAZ auch Stunden-kürzungen in Fächern wie Sport und Deutsch beklagt, dabei zählen beide zu den wenigen Fächern, in denen bisher offiziell kein Lehrermangel festgestellt wurde. „Wir nehmen das ernst. Deutsch ist ein Hauptfach, und Sport sollte auch durchgängig stattfinden", sagt Zachlod. Andere Fächer wie Erdkunde werden jedoch generell nur halbjährlich unterrichtet. Die Landesschulbehörde will nach den Ferien bei den Schulen nachfragen.
Hotline zu Unterrichtsausfall ärgert Eltern
Beschwerden beim Kultusministerium laufen ins Leere / Kritik an Stundenkürzungen
VON BÄRBEL HILBIG
Die Hotline des Kultusministeriums gegen Unterrichtsausfall scheint bei etlichen Eltern vor allem Verdruss hervorzurufen. „Viele Eltern sind müde und entnervt und rufen deshalb nicht mehr an", sagt Katja Burmann, Vorsitzende des Schulelternrats der Integrierten Gesamt-schale Garbsen. Mehrere Eltern der Schule hätten in den vergangenen Jahren vergeblich ihr Glück bei der Hotline versucht. „Die Mitarbeiter schieben den schwarzen Peter den eigenverantwortlichen Schulen zu. Die Schulen können aber nur mit dem planen, was ihnen zur Verfügung steht", sagt Burmann. Die Ministeriumsmitarbeiter rechneten den Eltern eine fast hundertprozentige Unterrichtsversorgung vor. Nicht berücksichtigt werde dabei, wenn Lehrer dauerhaft krank seien, weniger arbeitete, um ihre Arbeitszeitkonten abzubauen oder eine Feuerwehrkraft mit begrenzter Stundenzahl einen Vollzeitkollegen vertreten solle.
Dieses Jahr hatte das Ministerium bereits kurz nach Schuljahresbeginn die geringe Zahl der Beschwerden als Erfolg gewertet. Die Elternsprecherin bezeichnet das als Augenwischerei. In den Schulen würden die Stundenpläne oft bis zu den Herbstferien immer wieder umgearbeitet, weil manche neuen Lehrer erst dann anfangen. „Die Eltern wissen das und wollen der Schulleitung nicht in den Rücken fallen" sagt Katja Burmann. In den Schulen sei es inzwischen üblich, langfristig zu planen, in welchen Jahrgängen welche Fächer gekürzt werden.
Auch Jörg Kramer, langjähriger Elternvertreter an mehreren Uelzener Schulen, sieht die Arbeit der Hotline als Vertröstungstaktik an. In Uelzen hatten sich die Eltern verschiedener Schulen mehrmals per Brief oder Telefon über Stundenausfall beschwert. „Wir erhielten oft erst nach mehreren Monaten Antworten allgemeiner Art. Aber es änderte sich nichts." Seit ein bis zwei Jahren haben Eltern es zunehmend aufgegeben, sich noch an das Ministerium zu wenden. „Dabei fehlen regelmäßig einige Stunden, die im Lehrplan vorgesehen sind, in den konkreten Stundenplänen der Klassen", sagt Jörg Kramer.
Unterrichtsausfall bleibt an vielen Schulen ein Dauerbrenner. Der Sohn von Thordis Mühlbauer zum Beispiel geht in die siebente Klasse an der Lutherschule. Im zweiten Halbjahr ist Sport vom Stundenplan gestrichen. „Das ärgert mich sehr. Die Kinder stehen unter hohem Leistungsdruck und brauchen Bewegung als Ausgleich für die viele Zeit, die sie am Schreibtisch verbringen", sagt sie.
An der Kooperativen Gesamtschule Hemmingen erfuhren die Eltern einer neunten Klasse nach den Sommerferien, dass für manche Fächer Lehrer fehlen. Der nächste Einstellungstermin sei der 1. November. Die Gymnasiasten bekommen eine Stunde Mathematik sowie eine Stunde Musik pro Woche weniger; zwei Wochenstunden Profilunterricht fallen ganz aus. „Und in dreieinhalb Jahren muss meine Tochter das Zentralabitur schreiben", sägt Marion Schmutzler.
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Hilft eine Hotline gegen Unterrichtsausfall?
Mutter eines Achtklässlers ärgert sich über Selbstdarstellung des Kultusministeriums / Musik und Religion gekürzt
VON BÄRBEL HILBIG
Zu Beginn des Schuljahres hatte das Kultusministerium stolz vermeldet, dass sich nur noch wenige Eltern bei der Hotline für Fragen zum Unterrichtsausfall melden. Der Ministeriumssprecher verkündete sogar, in den Fällen, in denen es überhaupt Probleme gab, habe man überall Abhilfe schaffen können. Doch nicht alle Eltern teilen diese Einschätzung. „Wenn nur noch wenige Eltern anrufen, liegt das wohl eher daran, dass sie bereits, im Vorjahr enttäuscht wurden", sagt Heike Forstner, Mutter eines Achtklässlers. Zumindest ihr selbst ist es so ergangen.
Vergangenes Jahr hatten sich mehrere Eltern beim Ministerium gemeldet, weil am Hannah-Arendt-Gymnasium in Barsinghausen im siebten Jahrgang Sport ausfiel. „Es hat gar nichts gebracht. Und dabei gehört Sport gar nicht zu den Mangelfächern. Das war für uns besonders unverständlich“, sagt Heike Forstner. Dieses Schuljahr sei die Unterrichtsversorgung weiterhin mangelhaft.
Seit mein Sohn auf dem Gymnasium ist, fehlen jedes Schuljahr Fächer im Stundenplan, die eigentlich erteilt werden müssten“, sagt Forstner.
Im achten Jahrgang, den ihr Sohn inzwischen besucht, fällt für alle sieben Klassen Religion das ganze Schuljahr lang aus, Musikunterricht bekommen die Schüler eine statt zwei Stunden pro Woche. Heike Forstner meldete sich deshalb - im Gegensatz zu den Eltern der Mitschüler ihres Sohnes - auch dieses Jahr wieder bei der Hotline. Das Service Telefon Schule, wie die Hotline inzwischen offiziell heißt (erreichbar unter 05 11 / 1 06 66 66), soll laut Beschreibung auf der Internetseite des Ministeriums „unter Einbeziehung der Schulen vor Ort Probleme erkennen und passgenaue Lösungen umsetzen".
Das geschah allerdings nicht. Die Mitarbeiterin des Ministeriums erkundigte sich bei der Schule nach den Gründen für den Unterrichtsausfall und gab Heike Forstner diese Information dann weiter. „Ich war völlig perplex. Letztlich sagte sie, ihre Aufgabe bestehe genau in diesem Vorgehen. Und Religion sei ein Mangelfach, in dem Lehrer fehlen." Heike Forstner gab sich damit nicht zufrieden und beschwerte sich beim Ministerium über die positive öffentliche Darstellung der Hotline. Nach einem Monat erhielt sie einen Antwortbrief, in dem ein Mitarbeiter ausführlich auf die generellen Gründe für Unterrichtsausfall einging. Von der Situation an der Schule ihres Sohnes war keine Rede. Als Mangelfächer am Gymnasium führte der Mitarbeiter Latein, Spanisch, Musik, Kunst, Politik, evangelische Religion, Mathematik, Physik und Chemie auf. „Angesichts des Zentralabiturs mit einheitlichen Aufgaben ist es ungerecht, wenn ein Teil der Schüler manches einfach verpasst", sagt Heike Forstner. Aus dem Ministerium heißt es dazu, von Schwierigkeiten mit der Hotline sei nichts bekannt.
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